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‘Bin’ vs ‘War’- Eine kleine Germanistik

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Als Deutsch-Student und Englisch-Muttersprachler ist es für mich immer seltsam gewesen, dass ‚bin‘ und ‚war‘ im Deutschen oder ‚am‘ und ‚was‘ im Englischen so verschieden sind. Sie sind jeweils Teile vom gleichen Verb – ‚sein‘ oder ‚to be.‘ Warum gibt es denn solch einen Unterschied? Die Antwort liegt im Feld Germanistik und historische Linguistik – um genauer zu sein, es liegt im Unterschied zwischen ‚beon‘ und ‚wesan,‘ die zwei Verben für ‚to be‘ im Angelsächsischen. In der alten Sprache repräsentierten die Formen von ‚beon‘ das ‚Gnomartige Präsens‘ –  das heiβt, dass sie benutzt wurden, um die Wahrheit ungeachtet der Zeit auszudrücken. Wenn man die Wurzel der Worte sieht, kann man vielleicht die Unterschiede besser verstehen. ‚Beon‘ stammt vom Proto-Indo-Europäischen‚ ‚bʰuH’ , das eine ähnliche Bedeutung wie ‚werden‘ hat. ‚Wesan‘ hat eine andere historische Wurzel –  vom Proto-Indo- Europäischen *h₁es ,was ‚sein‘ bedeutet. Weiterhin ist es interessant, dass beide Verben die Vergangenheitsformen teilen, die vom Proto-Indo-Europäischen‚ *h₂wes-‚ kommen, das ‚bleiben/übernachten‘ bedeutet. Das heiβt, dass ‚beon‘ für abstraktere Konzepte von Existenz benutzt wurde, und ‚wesan‘ für die Wirklichkeit, die sich anhaltend verändert. Man kann sich einfach vorstellen, dass, weil das Leben unvorsehbar ist, die zwei Konzepte von ‚sein‘ verschieden sein müssen, und dass es beinahe unlogisch ist, abstrakte Konzepte und Moral genauso wie die Wirklichkeit zu beschreiben.

Es ist beinahe unlogisch, abstrakte Konzepte und Moral genauso wie die Wirklichkeit zu beschreiben.

Nach der Entstehung des Angelsächsischen gab es die zwei Infinitive nicht – nur einen – ‚been.‘ Es mag der Fall sein, dass es wegen einer Verbesserung der Vorhersagbarkeit des Lebens so passiert ist – dass die grundlegenden Unterschiede nicht mehr bemerkbar waren, die vorher so wichtig waren. Vielleicht wurden die Bedeutungen immer ähnlicher, bis es sich nicht lohnte, das zweite Verb zu haben. Deswegen gibt es nur ein Verb – aber durch die verschiedenen Formen kann man den historischen Ursprung klar sehen.

‚Am‘ auf Englisch ist noch interessanter und seltsamer  –  wegen des ‚M‘, das im Wort liegt, und das einzigartig im Verb ‚to be‘ ist. Es sieht so aus, weil es ein Überbleibsel einer uralten Besonderheit vom PIE ist: das ‚-Mi-Verb.‘

Auf Russisch ändert sich gar nichts bei diesen alten Verben.

Das ‚-Mi Verb‘ ist uralt, und beschreibt die Form von Verben in alten Indo-Europäischen Sprachen, wie Sanskrit. In Sanskrit, zum Beispiel, sind alle Verben ‚Mi-Verben‘- das heiβt, dass sie mit ‚-mi‘ enden. Im Altgriechischen gibt es eine Mischung, aber einige von den ältesten Verben sind ‚-Mi-Verben,‘ wie ἵστημι, das eine ähnliche Bedeutung wie ‚stehen‘ hat. Allerdings ist das älteste Verb fast immer das Bindeverb, und im Altgriechischen ist es keine Ausnahme  –  εἰμῐ́, was ‚sein‘ bedeutet, ist ein ‚-Mi-Verb.‘ Und es ist dasselbe auf Latein, dort ist ‚sum‘ – ‚ich bin‘ auch ein ‚-Mi-Verb‘. Auf Russisch ändert sich gar nichts bei diesen alten Verben, mit Formen wie ‚дам’ ‚Ich werde geben.‘ Und natürlich ist dies auch der Fall bei Englisch, das fast alle Überbleibsel von ‚mi-verbs‘ und die Grammatik von Sanskrit verloren hat. Fast alle auβer ‚I am’, vielleicht die häufigste von allen Verbformen.

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